Trauernde Elefanten

Während unseres Botswana Urlaubs hatten wir das Glück ein recht selten dokumentiertes Sozialverhalten von Afrikanischen Elefanten beobachten zu dürfen.
Am 28. Oktober 2016 waren wir um die Mittagszeit auf dem Rückweg von Kasane zum Ihaha Campingplatz im Chobe National Park. Den Weg, den wir eingeschlagen hatten, führte uns direkt am Ufer des Chobe Flusses entlang. Da es ein heißer Tag war, konnten wir viele Elefanten beim Trinken, Baden und im Schlamm spielend beobachten. An einer besonders schönen Stelle hielten wir an, um die vielfältigen Aktivitäten der Elefanten zu fotografieren. Irgendwann erregte ein einzelner Elefant unsere Aufmerksamkeit, denn sein Verhalten wirkte auf uns merkwürdig. Er sank auf seine Knie und hatte sichtlich Mühe nach einer Weile wieder aufzustehen. Doch als der Elefant wieder stand wandten wird uns erneut den Jungtieren bei ihrem Schlammbad zu. Völlig unerwartet hörten wir ein lautes, dumpfes Geräusch. Als wir uns umschauten sahen wir jenen Elefanten regungslos auf der Seite liegen. Auch die sich in der Nähe befindenden Elefanten schreckten auf und wandten sich ihrem Artgenossen zu. Sie streckten vorsichtig ihre Rüssel in die Richtung des regungslos auf dem Boden liegenden Tieres und erkundeten was geschehen war. Nach einem kurzen Moment ging die gesamte Gruppe auf das Tier zu. Mit Hilfe ihrer Rüssel und Vorderfüße halfen sie dem kranken Tier auf die Beine und schoben es in Richtung des Flussufers. Der Elefant war jedoch so schwach, dass er kurz darauf mit einem markerschütternden Schrei erneut zusammenbrach. Die Gruppe verharrte ganz in seiner Nähe und wir hatten das Gefühl, dass sie ihn zum Trinken motivieren wollten. Wir konnten aber nicht erkennen, ob er es tat. Nach einer Weile bewegte sich der am Boden liegende Elefant nicht mehr und wir hatten den Eindruck, dass er gestorben war. In diesem Moment passierte etwas sehr seltsames. Alle Elefanten, auch jene, die weiter weg waren, unterbrachen ihre Aktivitäten, drehten sich in die Richtung des verstorbenen Tieres und hielten inne. Die gesamte Stimmung, wie wir sie wahrgenommen hatten, war plötzlich verändert. Mit einem Mal war es völlig ruhig und still geworden. Wir hatten den Eindruck, dass ausnahmslos jeder Elefant dem Artgenossen still und leise Lebewohl sagte und Abschied zu nehmen schien. Dieser Moment war so intensiv und bewegend, dass wir jegliches Zeitgefühl verloren. Doch irgendwann gingen die meisten Elefanten wieder ihren Beschäftigungen nach. Nur die Gruppe, die versucht hatte dem Tier zu helfen, blieb länger beim verstorbenen Elefanten. Wir beobachteten wie sie den Körper mit ihren Rüsseln berührten und wir hatten den Eindruck als würden sie ihn sachte nach einem letzten Lebenszeichen untersuchen. Doch auch diese Gruppe zog nach einiger Zeit weiter. Nur ein Elefant blieb zurück und begann das tote Tier mit Wasser zu beträufeln. Schließlich mussten auch wir uns auf den Rückweg zu unserem Campingplatz machen, doch dieses Bild werden wir nie vergessen. Dieses bewegende und überwältigende Erlebnis ließ uns nicht mehr los. Wieder zurück in Johannesburg stellten wir ein paar Recherchen an und erst da wurde uns wirklich bewusst, welch seltene Beobachtung wir machen durften, auch wenn es eine sehr traurige war.